Simulatoren: Als Ergänzung Top, als Fahrstundenersatz ein Flop!


Warum ein Simulator die Schaltkompetenz nicht ersetzen kann


Die Führerscheinreform diskutiert aktuell eine deutliche Reduktion der Schaltwagen‑Übungszeit – von 450 Minuten auf rund 420 Minuten – und zusätzlich einen immer stärkeren Einsatz des Fahrsimulators. Die Hoffnung ist: Schaltkompetenz soll zum überwiegenden Anteil am Bildschirm erworben werden, bevor der Fahrschüler nur noch 45 Minuten im echten Straßenverkehr absolviert.
Was auf dem Papier wie ein technischer Fortschritt und ein effizienter Lernweg wirkt, ist in der Praxis aber ein Risiko – vor allem, wenn der verwendete Simulator technisch und grafisch deutlich hinter dem Stand herhinkt und die Realität nur unzureichend abbildet.

Was ein Simulator heute ist – und was nicht

Viele Fahrschul‑Simulatoren, darunter auch die Produkte des Vogel‑Verlags, wirken heute eher wie leicht abgegriffene Spiele als wie professionelle Trainingswerkzeuge.

Die Grafik wirkt oft veraltet, die Physik des Fahrzeugs ist starr, Situationen im Straßenverkehr sind zu stereotyp und werden nur grob und schematisch abgebildet.

Für viele Fahrschüler bedeutet das: Sie haben zwar „Schaltübungen am Bildschirm“ gemacht – aber die Umgebung bleibt ihnen fremd, emotional nicht authentisch, und fehlt der echte Druck, die Überraschungen und die Komplexität des realen Verkehrs.
Schaltkompetenz ist mehr als ein Schalthebel

Schaltkompetenz ist nicht nur das korrekte Bedienen von Kupplung und Schalthebel.
Sie bedeutet:


Blickführung, Einschätzung von Geschwindigkeit und Abstand, Reaktion auf vorhersehbare und unerwartete Verkehrssituationen, Umgang mit Stress, Zeitdruck und Ablenkungen,

Warum die aktuelle Simulator‑Software alles andere als nützlich ist

Noch problematischer:
Die derzeitige Software vieler Fahrschul‑Simulatoren ist technisch, grafisch und inhaltlich auf einem Stand, der eher nach Bespaßung als nach professionellem Lernsystem aussieht.

Viele Lernende werten die Zeit im Simulator ohnehin eher als „Ablenkung“ denn als ernsthafte Übung.

Die Darstellung ist oft zu simpel, um die Komplexität des Verkehrs nachvollziehbar zu machen.

Die fehlende Realismus‑Dichte verhindert, dass die Fahrentscheidungen im Simulator wirklich in das Verhalten im realen Verkehr übertragen werden.

Ein Simulator, der technisch und grafisch auf dem Niveau eines 2005‑Videospiels bleibt, kann keine echte Schaltkompetenz substituieren, sondern nur das Gefühl vermitteln, „etwas gemacht“ zu haben – ohne echte Kompetenz zu schaffen.

Fazit: Kein ersetzendes, sondern nur ein unterstützendes Werkzeug

Ein seriöses, modernes Training würde so aussehen:

- Schaltkompetenz wird im echten Fahrzeug und im echten Verkehr erworben.

- Der Simulator wird lediglich als ergänzendes Werkzeug genutzt, um theoretische Situationen darzustellen.

Die aktuelle Tendenz, die Zahl der echten Fahrstunden zu kürzen und die Schaltkompetenz auf einen technisch und grafisch unterentwickelten Simulator abzuwälzen, ist jedoch kein Lehr‑ und Lernfortschritt – es ist ein Spar‑ und Verschiebetrick, der die Verantwortung für die Verkehrssicherheit vom echten Fahrtraining auf ein technisch unzureichendes Hilfsmittel verlagert.

Damit will man der Öffentlichkeit zeigen: „Wir machen den Führerschein billiger!”

Das funktioniert jedoch nicht, denn nach nur 45 Minuten im realen Straßenverkehr wird kein Fahrschüler mit dem Schaltwagen so fahren können, wie er es nach zehn echten Fahrstunden kann.

Der visuelle Offenbarungseid: Digitalisierung oder digitale Steinzeit?

Bei der Darstellung in modernen Computerspielen hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Menge getan. Wer heute eine Konsole oder den PC einschaltet, taucht in fotorealistische, lebendige Welten ein, die kaum noch von der Realität zu unterscheiden sind. Doch wenn man diesen Standard mit dem vergleicht, was uns die großen Verlage heute als „moderne“ Fahrsimulatoren für teures Geld verkaufen, wird einem ganz anders.

Die folgenden Bilder zeigen das ganze Ausmaß des technischen Stillstands. Während die Unterhaltungsindustrie Meilensteine setzt, verharrt die Fahrschul-Lobby visuell in der digitalen Steinzeit – und verkauft uns diesen unbrauchbaren Pixelbrei ernsthaft als die „Zukunft der Ausbildung“. Seht selbst:

So sah eine Spielegrafik vor 30 Jahren aus

Das war das war zu der Zeit unglaublich gut und der Stand der damaligen Technik.

Im Vergleich dazu die nächste Entwicklungsstufe aus dem Jahr 2012

Das Spiel war der "Fahrsimulator 2012", der eine Besonderheit hatte: Jeder Fehler wurde sofort gemeldet, selbst wenn die Geschwindigkeit um 2 km/h überschritten wurde. 

Sogar das abstellen des Fahrzeugs im absoluten Halteverbot hat sofort Konsequenzen: Das Auto wird abgeschleppt! Klar, das ist ein Spiel, aber es ist realistisch.

Jetzt ein "moderner Fahrsimulator" ...

Ein Cockpit wie aus einem billigen 3D-Drucker-Prototyp und eine sterile Grafik, die eher an ein Amiga-Spiel aus den 90ern erinnert.

Zu guter Letzt noch ein grafischer Höhepunkt aus der Welt der Fahrsimulatoren aus dem Jahr 2026, den die meisten schon kennen.

Kleiner Hinweis zur Grafik: Wer den Simulator von Vogel kennt beziehungsweise selbst nutzt, sollte sich dort einmal die Fußgänger ganz genau anschauen und sich dann noch einmal das verlinkte Foto von der 30 Jahre alten Grafik anschauen. Was fällt euch auf? Und das soll also moderne Ausbildung am Simulator sein? Darauf muss man aber auch erst einmal kommen.

Und zum Schluss etwas, das bei anderen Simulationsspielen längst möglich ist und deutlich realistischer ist als jedes „professionelle” Programm, das eine Menge Geld kostet.

Eigentlich hätte ich hier gerne Bilder eines ganz bestimmten Fahrsimulators von 1993 gezeigt. Richtig gehört: 1993! Damals gab es Systeme, die mit echten Videosequenzen gearbeitet haben. Da befand sich der Fahrschüler bei Dunkelheit und Regen auf einer Bundesstraße, während ihm Fahrzeuge mit falsch eingestellten Scheinwerfern oder aufgeblendetem Fernlicht entgegenkamen. Das war echtes, realistisches Blendverhalten, das den Schüler auf die Praxis vorbereitet hat.

Vergleicht man dieses über 30 Jahre alte System mit den heutigen Programmen, wird das ganze Trauerspiel erst richtig deutlich: Was uns heute als modern verkauft wird, ist im Vergleich zu damals ein massiver Rückschritt. Beim Thema Fahrsimulatoren leben wir heute regelrecht in der Steinzeit.




Kommentare

  1. Hallo,
    wenn man sich das Ganze anschaut, fragt man sich schon, warum in den Verbänden offenbar noch niemand wirklich dagegen auf den Tisch gehauen hat. Die geplante Kürzung und die starke Verlagerung auf Simulatoren wirkt eher wie ein schlechter Witz als wie eine sinnvolle Reform. Vor allem, wenn die Technik den realen Straßenverkehr nur unzureichend abbildet. So kann echte Schaltkompetenz nicht entstehen. Dirk

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  2. Moin Dirk,

    danke für deinen Kommentar! Es ist verdammt wichtig, dass die Leute hier nicht nur still mitlesen, sondern auch Tacheles reden und sagen, was sie denken. Nur so bringen wir Bewegung in die Bude.

    Schön zu sehen, dass ich nicht der Einzige bin, dem der ganze Irrsinn mit den Simulatoren aufgefallen ist. Da merkt man eben sofort, wer die Praxis kennt und wer nur Excel-Tabellen schubst.

    Ich wünsche dir noch eine erfolgreiche und schöne Woche!

    Beste Grüße

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