Das Armutszeugnis des ADAC: Wie Deutschlands größter Autoclub faktenbefreit gegen Verbraucherinteressen agiert

Der ADAC hat am 11.05.2026 eine Stellungnahme zur geplanten Führerscheinreform veröffentlicht. Wenn man sich das Papier durchliest, fällt eines sofort auf: Von Seiten des ADAC hat offenbar keinerlei nennenswerte Recherche zu den tatsächlichen Gegebenheiten und historischen Entwicklungen stattgefunden.

Das Ergebnis ist eine peinliche Bankrotterklärung für einen Verein, der sich selbst zum Verbraucherschützer aufplustert. Wir zerlegen die vier Hauptthesen der Stellungnahme anhand der Fakten.

These 1: Mehr „Eigenleistung“ senkt die Kosten? Der ADAC schreibt wörtlich:

„Positiv zu bewerten ist die neu geschaffene Option, mehr Eigenleistung in Theorie und Praxis beim Erwerb der Fahrerlaubnis für Verbraucher zuzulassen, um die Kosten für die Ausbildung individuell reduzieren zu können.“

Anmerkung meinerseits: Wie kommt der ADAC zu dieser Einschätzung, die die Kosten für Verbraucher in Wahrheit explodieren lassen wird?

Offenbar hat man beim ADAC keinerlei Kenntnis über die Prüfungsergebnisse im Zeitraum von 2005 bis 2024, die vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) veröffentlicht wurden. Die KBA-Daten beweisen das Gegenteil: Jedes Mal, wenn die Anforderungen an die „Eigenleistung“ (und damit die Hürden für die Zulassung) erhöht wurden, stiegen die Durchfallquoten. Das bedeutet in der Konsequenz: Mehr Fahrstunden, mehr Prüfungsgebühren und eine massive Verteuerung der Ausbildung für den Verbraucher.

Dass der ADAC dies als „positiv“ für den Verbraucher bewertet, ist ein wirkliches Armutszeugnis.



These 2: Selbstständige Anmeldung zur Theorieprüfung? Ein Rezept für das Chaos.

Weiter heißt es in der Stellungnahme:

„Eine Anmeldung zur Theorieprüfung durch die Fahrschule ist dann nicht mehr erforderlich, da die Voraussetzung zum Nachweis der Teilnahme am Präsenzunterricht entfällt.“

Anmerkung meinerseits: Bedeutet das, dass der Nachweis der 14 gesetzlich vorgeschriebenen Unterrichtseinheiten komplett entfällt? Das wäre ein Einfallstor für Qualitätsverlust.

Besonders irrsinnig ist die Idee, dass sich Fahrschüler dann selbstständig zur Theorieprüfung anmelden können. Einen noch größeren Fehler kann man eigentlich gar nicht machen.

Fakt ist nun einmal: Die meisten Fahrerlaubnisbehörden (Führerscheinstellen) haben es sich nach Corona gemütlich eingerichtet. Seit längerer Zeit benötigt man zwingend einen Termin, um überhaupt Führerscheinanträge abgeben zu können. Ein Fahrschüler, der sich zum Monatsende angemeldet hat, kann das Pech haben, dass die Fahrschule erst Wochen später einen Termin bei der Behörde bekommt. Hinzu kommt eine Bearbeitungszeit von bis zu 6 Wochen (aktuell in meinem Umfeld). In anderen Regionen dauert das sogar noch länger, wobei 12 Wochen bisher der absolute „Hammer“ waren, von dem ich gehört habe.

Wie Minister Schnieder und der ADAC auf die Idee kommen, dass man den Führerschein so schneller bekommen könnte, ist mir ein absolutes Rätsel. Das Gegenteil wird der Fall sein.


These 3: Das historische Eigentor – Die Wiedereinführung der Laienausbildung.

Aber der ADAC hat noch weitere fragwürdige Ideen, die insbesondere zeigen, dass eine Recherche gar nicht stattgefunden haben kann.

So heißt es in der Stellungnahme weiter wörtlich:

„Es ist vorgesehen, die Fahrpraxis während der Ausbildung mit Übungsfahrten außerhalb der Fahrschule durch Begleitung nahestehender Personen im Realverkehr unter bestimmten Auflagen - noch vor der Prüfung - zukünftig erhöhen zu können. Diese Option wird einen positiven Beitrag zur Bestehensquote in der praktischen Fahrerlaubnisprüfung leisten und das sich daran anschließende Anfängerrisiko verringern können.“

Anmerkung meinerseits: Ernsthaft anzunehmen, dass dies einen positiven Einfluss auf die Bestehensquote in der Praxisprüfung hätte, zeigt, wie wenig man beim ADAC überhaupt zum Thema weiß.

Man weiß dort offenbar nicht einmal, dass man die Laienausbildung im Jahr 1986 abgeschafft hat. Hätten die Autoren schon mal die Bundestags-Drucksache 10/4490 vom 05.12.1985 gelesen, hätten sie sich diesen Text sicherlich verkniffen.



Die Abschaffung der Laienausbildung hatte damals einen sehr guten Grund, weshalb es völlig unverständlich ist, warum der ADAC diesen gefährlichen und längst überwundenen Schritt heute gutheißt und unterstützt.


These 4: Die Kompetenz-Anmaßung – Das Fordern von Selbstverständlichkeiten.

Der nächste Satz hat bei mir reflexartig zum Kopfschütteln geführt, denn die Schreiber dieser Stellungnahme haben offenbar noch nie eine Fahrschule von innen gesehen. Peinlich, peinlich.

So heißt es in der Stellungnahme wörtlich:

„Die Reduzierung der „Sonderfahrten“ soll mit einer kompetenzorientierten Zielsetzung während der Ausbildung und der Verpflichtung zu einer „simulierten Prüfungsfahrt“ am Ende der Ausbildung ausgeglichen werden. „

Anmerkung meinerseits: Kompetenzorientierte Ausbildung? Was glaubt man beim ADAC eigentlich, was man heute in der Ausbildung macht? Spazieren fahren vielleicht?

Man möchte eine verpflichtende simulierte Prüfungsfahrt zum Ende der Ausbildung als Ausgleich? Soviel geballte Inkompetenz hatte ich selbst vom ADAC nicht mehr erwartet.

Denn: Eine simulierte Prüfungsfahrt ist seit Jahrzehnten bei jedem Fahrlehrer längst Standardprogramm. Wie sonst sollte man einen Fahrschüler erfolgreich auf die Prüfung vorbereiten? Der ADAC fordert hier Dinge, die sie selbst nicht kennen, weil sie „offenbar noch nie eine Fahrschule von innen gesehen haben“. Es ist ein Armutszeugnis.

Ein Tipp für den ADAC: ERST recherchieren, DANN schreiben! 

Vielleicht wird es dann nicht so peinlich wie in diesem Fall.


PS: Ich bin wirklich gespannt ob sich beim ADAC jemand traut auf die Anfrage zu antworten.

Kommentare