Ein Wort unter Kollegen (Vorwort)
Bevor wir ans Eingemachte gehen, ein kurzer Hinweis: Ich verwende im Folgenden die männliche Form. Das dient rein der flüssigen Lesbarkeit – gemeint sind selbstverständlich alle Kollegen und Kolleginnen, die tagtäglich ihren Kopf für die Verkehrssicherheit hinhalten.
Kollegen, Hand aufs Herz: Warum schweigt ihr?
Warum überlassen wir das Feld den bunten Bildchenmalern aus den Verbandszentralen, anstatt selbst das Wort zu ergreifen? Wir sind die Experten. Wir sitzen im Auto. Wir stehen den Eltern und Schülern Rede und Antwort. Und genau diesen Menschen – unseren Kunden und Geldgebern – müssen wir endlich reinen Wein einschenken, was da hinter den Kulissen eigentlich abläuft.
Was uns da als „Reform“ verkauft wird, ist in weiten Teilen reine Kosmetik und, offen gestanden, pädagogischer Mumpitz. Nehmen wir nur das Beispiel der Sonderfahrten: Die starre Festlegung auf jeweils eine Fahrt ist ein schlechter Witz.
Wer einen Blick in den § 1 der Fahrschülerausbildungsordnung (FahrlAusbO) wirft, weiß: Unsere Ausbildung ist zielorientiert. Wir bilden nicht nach Stoppuhr oder Checkliste aus, sondern wir müssen die Schüler zur Verkehrsreife führen. Eine Ausbildung, die stumpf an einer festgelegten Zahl von Fahrten klebt, ignoriert den gesetzlichen Auftrag der individuellen Förderung. Das sollte eigentlich jedem klar sein, der seinen Fahrlehrerschein nicht im Lotto gewonnen hat.
Anstatt also stillschweigend zuzusehen, wie unser Handwerk zur Karikatur verkommt, sollten wir anfangen, unseren Kunden zu erklären, warum Qualität Zeit und Geld kostet – und warum die „Vereinfachungen“ am Ende nur die Sicherheit unserer Schüler gefährden.
Werdet endlich wach! Fangt an zu reden. Oder wollt ihr weiterhin den George McFly der Branche mimen, dem man erst gegen den Schädel klopfen muss, um zu prüfen, ob da überhaupt noch jemand zu Hause ist?
Und jetzt ein Wort an den Bundesverband der Fahrlehrer:
Eure „Patrick“-Kampagne ist reine Inzucht. Ihr macht PR für Fahrlehrer über Fahrlehrer. Aber unsere Kunden – die Eltern und Fahrschüler – lasst ihr komplett im Regen stehen.
Warum erklärt ihr nicht den Eltern, dass „weniger Sonderfahrten“ ein Etikettenschwindel ist, der am Ende durch mehr Übungsstunden teuer bezahlt wird?
Warum erklärt ihr nicht den Schülern, dass „digitale Freiheit“ in Wahrheit eine „Smartphone-Pandemie“ (Prof. Dr. Manfred Spitzer*) ist, die ihre Erfolgschancen senkt?
Warum klärt ihr nicht über die lebensgefährliche Laienausbildung auf, bei der Eltern ohne Doppelpedale hilflos im Auto sitzen?
Warum eigentlich erklärt ihr den Eltern und Fahrschülern nicht die simpelste Wahrheit von allen: Jeder Betrieb muss kalkulieren.
Warum eigentlich erklärt ihr den Eltern in dem Zusammenhang nicht die Wahrheit über die angeblich so wichtige „Preistransparenz“?
Warum eigentlich erklärt ihr den Eltern nicht die Wahrheit über die Bestehensquoten?
Öffentlichkeitsarbeit findet da statt, wo die Kunden sind, nicht in der eigenen Blase. Wenn ihr nicht endlich anfangt, den potenziellen Fahrschülern und deren Eltern reinen Wein einzuschenken, könnt ihr eure Strichmännchen direkt mit beerdigen.
* Videovortrag Prof. Dr. Manfred Spitzer
Danke! Endlich sagt es mal jemand das es um die Fahrschüler geht und nicht um irgendeinen Minderbegabten der von der Materie nichts weiß aber große Töne spuckt. Es ist schon genau richtig, dass man den Eltern und den Fahrschülern erklären muß worum es tatsächlich geht. Da darf man ruhig schon mal aus dem Nähkästchen plaudern und muss nicht so tun als wären die Fahrleher eine Geheimgesellschaft die sich nicht in die Karten schauen lassen will.
AntwortenLöschen