Vogel Verlag und die Führerschein-Reform: Pädagogik oder Profitgier? Dazu: Umfrage: Großteil der Fahranfänger gegen Laienausbildung und digitale Theorie.


Was sagt der Vogel-Verlag zum Referentenentwurf?

Wer bisher glaubte, es ginge bei dieser Reform um die Entlastung der Fahrschüler, sollte einen Blick in das neueste Mailing des Vogel Verlags werfen. Dort richtet sich Verlagsleiter Joshua Stiegler an die Branche und lässt tief blicken. Er spricht davon, dass das, was wie ein Verlust aussieht, eine „Chance“ sei – und zwar „wirtschaftlich und pädagogisch“.

Zitat:


Stiegler besinnt sich in seinen Worten aber dankenderweise auf das Positive, denn er habe "in den vielen Jahren mit (...) dieser Branche eines gelernt: Was im ersten Moment wie Verlust aussieht, ist oft auch eine Chance. Wirtschaftlich und pädagogisch."Wirtschaftliche Chance für wen? Man muss kein Rechenkünstler sein, um das zu durchschauen:

Der Führerschein soll laut Politik „billiger“ werden.

Gleichzeitig jubelt ein Verlag über eine „wirtschaftliche Chance“.

Die Auflösung: Das Geld wandert nicht zurück in die Taschen der Fahrschüler, sondern wird von den Fahrschulen direkt in die Kassen der Verlage umgeleitet – für teure Simulatoren, Software-Lizenzen und digitale „Konserven“.

Die „pädagogische Chance“ – Ein Hohn für jeden Fahrlehrer Wo bitte ist die pädagogische Chance bei der geplanten Laienausbildung? Dass Eltern ihren Kindern die Fehler von vor 30 Jahren beibringen? Oder bei der Simulator-Ausbildung, die Schalten im Vakuum lehrt? Mir wird flau im Magen, wenn ich daran denke, dass Fahrschüler künftig 6 Stunden im Simulator „Trockenschwimmen“ üben und dann nach nur einer einzigen realen Fahrstunde auf den öffentlichen Straßenverkehr losgelassen werden sollen.

Der technische Offenbarungseid: Ein Simulator ist eine Ergänzung, kein Ersatz. Er vermittelt kein Gefühl für die Kupplung unter Last, kein Feedback vom Asphalt und keinen Lerneffekt für materialschonendes Fahren unter Stress. Dass wir heute – über 30 Jahre nachdem ich bereits Simulatoren mit realen Videosequenzen im Einsatz gesehen habe – so tun, als wäre diese abgespeckte Digital-Lösung der Heilsbringer, ist schlichtweg lächerlich.

Hier wird eine Reform durchgepeitscht, die pädagogisch wertlos ist, aber die Kassen der Verlage füllt. Dass man den Fahrlehrern und Betrieben diesen massiven Qualitätsverlust auch noch als „Chance“ verkaufen will, ist eine bodenlose Frechheit. Wer die Sicherheit der Ausbildung auf dem Altar der Verlags-Gewinne opfert, handelt verantwortungslos gegenüber jedem Fahranfänger.

1986: Die Laienausbildung wurde nicht aus Spaß abgeschafft, sondern weil die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Vogel-Verlag zur Reform

Der Blick zurück nach vorn: Das Sicherheits-Risiko

Es ist schon paradox: Während wir über High-Tech-Simulatoren und digitale „Chancen“ schwadronieren, greift die Politik tief in die Mottenkiste der Verkehrsgeschichte und holt die Laienausbildung wieder hervor. Man verkauft uns das als „Innovation“, dabei ist es ein gefährlicher Rückschritt.


Wir müssen uns eines klarmachen: Wer die Ausbildung privatisiert, gibt die Kontrolle über die Qualität und die Sicherheit auf. Ein Laie hat keine Doppelpedale, keine pädagogische Ausbildung und keine objektive Einschätzung für Gefahrensituationen im dichten Verkehr von heute.


Zitat:

Im Weiteren blickt er in der Aussendung auf die geplanten Änderungen zum Theorieunterricht. Diese werde nicht verschwinden, "...sie wird sich verändern. Und ehrlich gesagt wird sie wahrscheinlich anspruchsvoller. Wenn ich den Entwurf richtig lese, kann künftig eine einzige falsche Antwort über Bestehen oder Nichtbestehen entscheiden. Wer glaubt, ohne Anleitung mal eben durch zu kommen, wird bei der ersten Wiederholungsprüfung ziemlich nüchtern werden. Genau hier liegt die Chance: nicht mehr "Theorieunterricht" aus Pflicht, sondern Prüfungsvorbereitungskurs aus Überzeugung. Wer nach Frankreich schaut, weiß, dass dieses Modell funktioniert - weil Schülerinnen und Schüler mit gutem Gefühl in die Prüfung gehen wollen."


Das ist ja an Arroganz und Realitätsferne kaum noch zu überbieten. Stiegler versucht hier, eine Verschlechterung der Prüfungsbedingungen (eine einzige falsche Antwort führt zum Durchfallen) als „Chance“ für seine Kurse und Materialien zu verkaufen. Das ist Marketing auf dem Rücken der Prüfungsangst von Jugendlichen.
Warum das Frankreich-Beispiel völlig am Ziel vorbeischießt:

Die Quoten-Lüge: In Frankreich liegen die Durchfallquoten bei der theoretischen Prüfung (Code de la route) traditionell extrem hoch – oft bei 40 % bis 50 %. Zu behaupten, das Modell „funktioniere“, weil die Schüler mit einem „guten Gefühl“ reingehen, ist blanker Zynismus. Die Schüler gehen dort nicht mit einem guten Gefühl rein, sondern mit panischer Angst, weil das System dort gnadenlos ist.

Frankreich: Bestehensquote für die Straßenverkehrsordnungsprüfung Theorieprüfung) nach Abteilungen im Jahr 2024: durchschnittlich 50,7 %


Ein erfolgreiches Modell sieht anders aus!

Vom Unterricht zum „Drillen“: Stiegler gibt offen zu, dass der Theorieunterricht zum reinen Prüfungs-Drill verkommen soll.

Nicht nur in Frankreich, auch in Luxemburg sieht die Realität düster aus. Aktuelle Berichte zeigen, dass dort fast jeder Zweite durch die Theorieprüfung rasselt. Wenn Herr Stiegler behauptet, dieses Modell würde funktionieren, weil Schüler 'mit gutem Gefühl' in die Prüfung gehen, dann ignoriert er die verzweifelten Schlagzeilen unserer Nachbarn. Was er als 'Chance' verkauft, ist in Wahrheit ein System, das auf massivem Aussieben basiert – ein Scheitern mit Ansage, das nur den Verkäufern von Lernmaterialien in die Karten spielt.



Pädagogik: Wir wollen Fahrer ausbilden, die das System „Verkehr“ verstehen.

Stiegler: Er will Kunden, die Angst haben durchzufallen, damit sie seine „Prüfungsvorbereitungskurse aus Überzeugung“ buchen. Das ist kein Bildungsauftrag, das ist ein Geschäftsmodell, das auf der Einschüchterung von Fahrschülern basiert.
Kleiner Hinweis:
Durchfallquoten: Schätzungen zufolge fallen etwa 30 % der Fahrschüler mindestens einmal durch die theoretische Prüfung.
Praktische Prüfung in Frankreich: Auch hier ist die Hürde hoch, mit einer Durchfallquote von etwa 45 % beim ersten Versuch.
Voraussetzungen zur Praxisprüfung: Um zur Prüfung zugelassen zu werden, ist in der Regel eine theoretische Vorbereitung und eine Grundausbildung von mindestens 20 Fahrstunden (bei einer Fahrschule) erforderlich.

Es wird immer absurder: Während Verlagsleiter Stiegler in seinen Aussendungen das Schreckgespenst einer Prüfung an die Wand malt, bei der man schon mit einem Fehler durchfällt (Stand: Februar-Entwurf), sieht der aktuelle Entwurf vom 4. Mai etwas ganz anderes vor.

In der aktuellen Fassung des Entwurfes steht:

Prüfungsfragen: • Der Fragenkatalog für die Theoretische Fahrerlaubnisprüfung der Klasse B wird um knapp 30 % (28,14%) auf ca. 840 Fragen (von bisher 1.169; Grund- und Zusatzstoff) reduziert. • Das Bewertungssystem der Fragen (welche Frage wird mit wie vielen Punkten bewertet und bei wie vielen Punkten gilt die Prüfung als nicht bestanden) wird im Zuge des Roll-outs des reduzierten Fragenkatalogs vereinfacht. • Reduzierungen in den anderen Fahrerlaubnisklassen folgen.

Kein einziges Wort davon das ein Fahrschüler mit einem Fehler durchfallen würde!

Hier ist plötzlich von einer massiven Reduzierung des Fragenkatalogs um knapp 30 % und einer 'Vereinfachung' des Punktesystems die Rede.

Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut:

Die Verlage werben mit Angst vor Verschärfungen, die im aktuellen Entwurf längst kassiert wurden.

Die Politik verspricht Vereinfachungen, die in der Realität nur den Fragenkatalog ausdünnen, aber keine pädagogische Verbesserung bringen.

Wer so dilettantisch mit Entwürfen und Fakten jongliert, dem darf man die Verantwortung für die Verkehrssicherheit nicht überlassen. Hier wird Politik auf Basis von veralteten Papieren und wirtschaftlichen Eigeninteressen gemacht – an der Realität der Fahrschulen und der Sicherheit der Schüler komplett vorbei.“

Und zu guter Letzt noch ein Hinweis aus einem Artikel von Fahrschule Online aus dem März 2026:

Umfrage: Großteil der Fahranfänger gegen Laienausbildung und digitale Theorie.






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